Gutachten zur naturverträglichen Instandhaltung der mittelalterlichen Stadtmauer von Zons 

(2. BA der Westmauer von Dormagen-Zons)  .  2021  /  2023  

        (Dipl.- Landschaftsökologe Thomas Braun, u.a., –  Haus der Natur – Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V. )


Die Mauern und Türme der mittelalterlichen Festungsanlage in Zons aus dem 14. Jahrhundert bedürfen fortlaufender Pflege und Sanierungen.

Teile der historischen Stadtmauer von Zons weisen starke Schäden am Mauerwerk und an der Mauerkrone auf und müssen dringend saniert werden. Die zwischen 1373 und 1408 angelegte Stadtbefestigung der ehemaligen kurkölnischen Stadtfeste Zons ist nahezu vollständig erhalten. Feuchtigkeit und Wurzelbewuchs haben aber dem Mauerwerk in den vergangenen Jahrhunderten stark zugesetzt. 

Da die Mauer von seltenen Tier- und Pflanzenarten besiedelt wird, soll sie nicht nur denkmalgerecht, sondern auch unter naturverträglichen Gesichtspunkten saniert werden. Bei diesem Konzept kann der Lebensraum von Flora und Fauna weitestgehend erhalten bleiben.

Nach der erfolgreichen Sanierung der Zonser Windmühle  konnte in einem ersten Teilabschnitt die Westmauer 2018 im Bereich vom Mühlenturm bis zum Wachtürmchen saniert werden. 

Nun soll in einem zweiten Teilabschnitt die Instandsetzung der Mauer zwischen Wachtürmchen und Einmündung zur Schlossstraße erfolgen. und  zum Jahresende 2022 wurde mit der ökologischen und denkmalgerechten Restaurierung des zweiten Mauerabschnitts der Westmauer bis zur Schloßstraße begonnen.

Diese alten Gemäuer sind neben der geschichtlichen Bedeutung auch sehr interessant für über lange Zeiträume gewachsene Kleinlebensräume, in denen Tier- und Pflanzenarten unbeschadet überstehen konnten.   So wurde die Westmauer zum Pilotprojekt einer ökologisch-denkmalgerechte Sanierung. Vor allem die mehr als sechs Meter hohe Brüstung oberhalb des früheren Wehrgangs war nicht mehr standsicher.

Mit Unterstützung durch die Biologische Station in Knechtsteden, den Landschaftsverband Rheinland und vielen weiteren Partnern gelang es dem zuständigen Eigenbetrieb der Stadt Dormagen, sowohl den Lebensraum zu schützen als auch so viel wie möglich von der historischen Bausubstanz zu erhalten.

Im Vorfeld der Instandsetzung wurde eine exakte Schadenskartierung vorgenommen. Parallel dazu erfolgte eine Bestandsaufnahme der Flora und Fauna durch die Biologische Station.  (   Link zum Gutachten  >  hier  )

Auf dieser Grundlage wurde gemeinsam ein Konzept entwickelt, das von vorangegangenen Sanierungen deutlich abweicht. So blieben größere Bereiche des knapp 50 Meter langen Mauerabschnitts völlig unangetastet. Bevor die Arbeiten starteten, „evakuierte“ das Team der Biologischen Station bereits zahlreiche Tiere und Pflanzen. Auch Erdablagerungen mit Samenmaterial wurden vorsorglich gesichert.
So wurde ein Konzept für eine schonende Restaurierung entworfen und umgesetzt. 30 Moos- und Schneckenarten konnten so überleben, seltene Gräser wurden bewahrt.
Ein kompletter Abschnitt wurde im alten Zustand belassen und mit Drahtmatten – ähnlich wie an Straßenböschungen – gesichert. 

Es gibt ein Infopunkt für Besucher, auf dass ihnen die heimlichen Schätze der Zonser Stadtmauer nicht länger verborgen bleiben.
Einen neuen Weg beschritten die Beteiligten bei der Wiederherstellung der Mauerkrone. Sie wird nun nach historischen Vorbildern wieder durch eine Grassode gegen die Witterung geschützt. Besondere Sorgfalt galt ebenso bei der Auswahl des Kalkmörtels, der sowohl dem Mauerwerk gerecht wird als auch Nährstoff für die Pflanzen ist. Darüber hinaus ist der Mörtel CO2-neutral. An der Schloßstraße, wo sich einstmals das Feldtor an die Mauer anschloss, ist die Abbruchkante nach der Sanierung weiterhin sichtbar. Hier schauen auch schwere Basalte aus dem Mauerkern hervor.
An der ökologischen Restaurierung des rund 50 m langen Teilstücks der Zonser Stadtmauer beteiligt waren die Stadt Dormagen mit ihrer Unteren Denkmalbehörde, ein Fachbetrieb für Steinrestaurierung, das LVR-ADR sowie die Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V. beteiligt. Finanziell gefördert wurde das Pilotprojekt durch Bundesmittel und eine Spende der NRW-Stiftung an den Zonser Denkmalschutzverein.

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